Cthulhu by Gaslight: Die Abenteuer des Jervis Jr. Ordway

      Cthulhu by Gaslight: Die Abenteuer des Jervis Jr. Ordway

      Worum geht es?

      Seit mehreren Monaten spiele ich nun bereits mit einer Gruppe Cthulhu by Gaslight. Dieses Thema möchte ich nun dazu nutzen die Abenteuer aus Sicht meines Helden wiederzugeben. Einerseits ist das für mich selbst nützlich, um die Geschehnisse in einer saubereren Form festzuhalten, andererseits denke ich ist die ganze Sache sicherlich auch für euch interessant zu lesen.

      Momentan habe ich erst noch mal eine ganze Menge an Geschehnissen nachzuholen, diese werden hier in mehreren möglichst detaillieren Beiträgen in der nächsten Zeit erscheinen, je nachdem wie es um meine Zeit und Lust steht.

      Kommentare, Fragen und Kritik sind gerne gesehen. :)


      Der Charakter: Jervis Jr. Ordway


      Aktuelle Aufnahme im Alter von 32 Jahren.

      Geboren am 02.05.1855 in St Ives in der Grafschaft Cornwall und ebenfalls dort aufgewachsen verbrachte Jervis Jr., wenn auch nicht im Luxus geboren, eine eher sorgenfreie Kindheit mit seinem Vater Jervis Ordway, der als Minenarbeiter tätig war, und seiner Mutter Elizabeth Ordway (geb. Trump).

      Im rauen Klima von St Ives wird zu dieser Zeit hauptsächlich Fischfang und Bergbau nach Kohle, Quecksilber und Arsen betrieben. Die keltischen Wurzeln, die in Cornwall stark vertreten sind, sind in der Region unverkennbar. So befinden sich z. B. das ein oder andere Fogou im Gebiet um das kleine 2.500 Einwohner Städtchen.

      Man kann sich schon fast denken, dass die alten unterirdischen Bauwerke mit schlechter Substanz Kinder, trotz Verbot der Eltern oder vielleicht gerade deshalb, magisch anziehen und diese somit oft der Spielplatz der Kinderclique waren.

      So begab es sich, dass an einem dunklen, regnerischen Oktobertag im Jahr 1865 die Gruppe Kinder einen der Fogou näher erkunden wollte. Sie rüsteten sich mit Seilen und Lampen aus und durch eine clevere Lügengeschichte ihren Eltern gegenüber (X sagt er ist bei Y, Y sagt er ist bei X, usw...) konnten sie sich unbehelligt auf den Weg machen.

      Als sie den Fogou erkundeten nahm eine in die Wände gemeißelte und stellenweise auch mit roter Farbe (Genau, "Farbe"...) gemalte Keilschrift zu. Angespornt durch ihre Entdeckungen beschloss die Gruppe (SC Samual Burg, SC Joseph Gilbert, James Gilbert, Alexa McGee und Peter Bales) um Jervis weiter vorzudringen.

      Bei der weiteren Erkundung hörte man zunehmends Gemurmel das wir jedoch nicht verstehen konnten und zu Beginn annahmen, dass es sich um Tiere handelt. Es kam zu den ersten Diskussionen, besonders die jüngeren Kinder wollten wieder umdrehen. Jervis entschloss als Anführer der Gruppe jedoch, dass man weiter geht. Das Gebrabbel wurde immer lauter und entpuppte sich schlussendlich als menschliche Stimmen die im Chor sangen. Wir entdeckten am Ende eines Ganges leichten Lichtschimmer. Als wir uns näher anschlichen erblickten wir einen riesigen Raum (Ungefähr 20 m Durchmesser) mit einem Kuppeldach, an das scheinbar der Sternenhimmel gemalt war. Im Nachhinein behauptete der ein oder andere von uns die Sterne an der Decke hätten geleuchtet.

      Es lag ein süßlicher Geruch im Raum und bei dem unverständlichen Gesang der von den 5 - 12 in Roben gehüllten Gestalten ausging stellte sich schnell heraus, dass etwas unmenschliches im Gange war. Der Gesang nahm an Intensität zu, gleichzeitig wurde es immer kälter im Raum.

      Daraufhin schrie James los: "Ich habe Angst, ich will raus hier!". Die Gestalten wurden aufmerksam auf uns, einer von ihnen rief: "Holt sie mir, sie dürfen nicht entkommen!". Damit startete unsere Flucht. Kurz bevor wie den Fogou wieder verlassen konnten, stolpert James. Wir verlieren ihn aus den Augen und als wir es festgestellt haben, befanden sich schon mehrere der Robenträger über ihn gebeugt und hoben ihn vom Boden auf. Dabei riss James einen der verhüllten Gesichter die Kapuze vom Kopf und wir konnten sehen, dass es sich um Reverend Eldritch handelte.

      Joseph berichtet daraufhin vom Verschwinden seines kleinen Bruders. Daraufhin wird ein Suchtrupp gebildet, der in dem von uns beschriebenen Gang jedoch nichts weiter findet. Der Zugang zum Tempelraum scheint spurlos verschwunden zu sein.

      Wir wurden daraufhin von der Polizei verhört. Diese glaubte uns nicht, besonders im Bezug auf den Reverend, da dieser ein Alibi hatte. Er hatte die Hochzeit der wohlhabenden Familie Spencer vorbereitet.

      Vier Tage später entdeckte man daraufhin die Leiche von James erfroren oder ertrunken im Moor. Es gab dabei keine Spuren von Gewalteinwirkung.

      Daraufhin stand unsere Clique in einem entsprechend schlechten Licht. Uns wurde so gut wie nicht mehr geglaubt. Im Laufe der Zeit erhielten wir Medikation die jedoch nicht gedacht war um Abhilfe von den Alpträumen zu schaffen sondern eher um zu vergessen. Nach einer gewissen Zeit erfüllte sie ihren Zweck.

      Ca. 1,5 Jahre später fand man Peter Bales tot am Strand. Jonathan, der ältere Bruder der sonst auch oft auf uns andere Kinder aufpasste, berichtete, dass er ihn am Abend zuvor ganz normal ins Bett gebracht hatte. Die Ermittlungen ergaben erneut keine Ergebnisse. Die Familie Bales verließ darauf hin St Ives ohne genau zu schildern wo sie hin gingen. Es gingen Gerüchte um, dass sie in die USA oder Indien auswanderten, dass die Mutter sogar Selbstmord begangen haben soll. Mit der Zeit etablierte sich auch das Gerücht eines Kindermörders in den Pubs.

      Als Jervis ungefähr 14 Jahre alt war, verstarb sein Vater bei einem Arbeitsunfall in den Minen. Als er somit seine Schulausbildung im Alter von 16 Jahren abschloss, nahm ihn sein Onkel Wilbur Trump auf, der zu diesem Zeitpunkt einen kleinen Laden samt Werkstatt in einem der besseren Viertel in London besaß in dem er als Goldschmied tätig war.

      Jervis erlernte somit den gleichen Beruf. Im Alter von 28 Jahren erbte er den Laden sowie das dazugehörige Apartment im Stockwerk darüber von seinem Onkel, nachdem dieser auf grausame Art und Weiße ermordet in seinem Bett aufgefunden wurde. Es gab nahezu keine Spuren außer einem schrecklich verstümmelten Leichnam sowie Kratzspuren die scheinbar von Krallen stammten, somit verliefen erneut die Ermittlungen der Polizei im Nichts.

      Daraufhin begann Jervis viel zu trinken, was dazu führte, dass er selbst für die Verhältnisse eines Engländers als "trinkfest" zu bezeichnen ist. So begab es sich, dass er eines Nachts auf dem Heimweg nach einem viel zu langen Zechabend an den Docks entlang stolperte. In dem für London typischen dicken Nebel machte er eine seltsame Entdeckung: Er sah wie sich eine Kreatur, die auf zwei Beinen lief langsam im Wasser des Hafens abließ. Erschreckend daran war für ihn jedoch, dass sie neben den üblichen Merkmalen für einen Menschen auch die einer Tiefseekreatur aufwies. Doch wer war sich am nächsten Morgen nach dieser Menge an Alkohol und dem vorhanden Nebel schon noch sicher ob dies Realität war oder ihm die Fantasie nur einen Streich spielte?

      Wenn man sich heutzutage im Laden "Trumps Fabulous Gold And Silver Smithery" umschaut, erkennt der aufmerksame Beobachter, dass ein großer Teil der durchaus großartigen Goldschmiedearbeiten ein gemeinsames Thema hat: Viele der Ringe, Ketten und Anhänger haben die Form von Seebewohnern. Sei es das Medaillon, auf dem ein Fischmaul in der Mitte einen großen Rubin festhält oder der Ring der aussieht als ob ein kleiner silberner Oktopus den Finger umschlingt...

      Trotz der ausgefallenen Werke oder vielleicht auch gerade deshalb ermöglicht Jervis' Arbeit ihm ein angenehmes Leben in Londons Mittelschicht. Wenn er seine Zeit nicht mit Arbeit in seiner Werkstatt oder dem Betrieb seines Geschäftes verbringt trifft man ihn in der eher schlicht eingerichteten Zimmer über seinem Laden an. Dort findet man neben großen Regalen die fast das komplette Zimmer ausfüllen und mit Büchern bestückt sind lediglich noch ein Bett, einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen sowie einen versteckten Safe in dem sich unter anderem der ein oder andere Rohstoff sowie die Skizzen für seine Arbeit befinden. Zweckdienlich. Doch das mag auch daran liegen, dass man ihn ansonsten in einen der vielen Pubs Englands antrifft, wo viele der Wirte hinter dem Tresen ihn herzlich mit Namen begrüßen.
      Bilder
      • Jervis Jr Ordway.jpg

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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Zombie“ () aus folgendem Grund: Link des Bildes aktualisiert.

      Interessanter Thread! Mich würden außerdem die Informationen drumrum interessieren, also nicht nur den Charakter und seine Geschichte betreffend. Damit meine ich z.B. die Gruppe, in der du spielst, wie oft ihr euch trefft, wie die einzelnen Termine aussehen, etc. - also auch quasi deine Sicht auf das gesamte Rollenspielerlebnis.
      Grundsätzlich versuchen wir spätestens alle drei Wochen einen Termin zu haben, das gelingt uns in der Regel auch recht gut. Oft wird unter der Woche gespielt, für ungefähr 4 - 5 Stunden, manchmal auch in längeren Spielsitzungen am Wochenende.

      Die Gruppe besteht einschließlich mir aus drei Spielern, die ich alle eher als Anfänger im Rollenspiel bezeichnen würde, hinzu kommt der Spielleiter, der definitiv eine ganze Ecke Erfahrung hat. Beim SL merkt man besonders, dass er unter anderem ein LARPer ist. NPCs die durch ihn gesteuert werden unterscheiden sich deutlich in Auftreten, Stimme und Art zu reden. Darüber hinaus sind Handlungen sehr detailliert und präzise beschrieben und als Cthulhufan ist auch umfangreiches Hintergrundwissen vorhanden.

      Nachdem es sich bei den SCs komplett um Anfänger handelt, gibt es keinen "Powergamer" in der Gruppe. Die Charaktererstellung wurde gemeinsam an einem Nachmittag vorgenommen, bei der es primär um Stimmigkeit ging. Die Charaktere passen hauptsächlich gut zusammen, als dass sie haargenau am Leitfaden des Regelwerks erstellt wurden.

      An sich laufen die Termine sehr strukturiert ab. Zu Beginn wird rekapituliert was wir in der letzten Session erlebt haben und zum Ende werden Ziele und die nächsten Schritte festgehalten. Dazwischen sind wir alle fleißig am schreiben, was so passiert.

      So und dann für den nächsten Story-Beitrag noch ein kleines Ziel an mich selbst: 95 % seltener das Wort "daraufhin" verwenden. ;)
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      War das nun die Geschichte deines Charakters bis zu dem Zeitpunkt, an dem eure Treffen beginnen oder sind da auch schon Treffen reingeflossen?
      Schön erzählt soweit und einige nette Details eingebaut ;)
      Alles schwankt, doch eins steht fest,
      der Alkohol gibt uns den Rest!
      Aber schenkts uns noch was flüssigs ein,
      denn verdurstet is ma glei!
      Das war nur die Vorgeschichte. Der Teil mit dem Foguo wurde vom Spielleiter erzählt, damit wir auch den Hintergrund zu unserer Gruppe hatten und wie sie sich alle kennen. Der Rest ist dann die Geschichte meines Charakters bis zum jetzigen Zeitpunkt, also auch nicht ausgespielt sondern von mir verfasst.

      Im nächsten Beitrag gehts dann mit der ersten "richtigen" Spielsitzung los und ein bisschen Hintergrund der anderen beiden SCs.
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